XLVIII. Und eines Tages wurde Adam geboren

(Siebentes Tableau)

An anderen Tagen spielen Kinder im Staub und blicken den Fuhrwerken entgegen, die in die Stadt einrollen. Die künstliche Bewegung all jener Dinge, die sich nicht von selbst bewegen. Brot, das hier nicht gebacken wurde, Eis, das hier nicht schmolz, Kaugummi, der nicht nach dem Harz der Tannen schmeckte.
Die Kinder spielten, daß sie einen Schatz fänden, sie spielten aber auch, daß sie diese Straße bauten oder zumindest ausbesserten, daß sie es wären, denen man dankte, weil die Händler schneller ihre Waren liefern konnten. Wenn der Kreislauf nicht selbst will, regt man ihn an, kürt ihn zur Kunst, erfindet etwas und stellt sich gegen den Zusammenbruch der Natur. Die Händler sahen aus wie rote Blutkörperchen, trugen rote Mützen, rote Kleider und ihre Augen waren rot. Ihnen die Hand zu geben war unmöglich, sie entglitten und glitschten zu Boden, versickerten im Torf oder in den Mulden der Schlaglöcher.
Wenn es regnete führte die Straße, die nicht viel mehr als eine Piste war, direkt in das gesammelte Wasser hinein, so als läge in diesem Hemmelsdorfer See ein geheimnisvoller Ort, den sie zu erreichen trachteten, Tiefpunkt genannt. Die Kinder dachten sich dann Abenteuer aus, mit sonderbaren Geschöpfen, die in den Winkeln hausten.
Während der Regen fiel: die Kutschen lagerten an den Streckenposten und alle warteten entweder auf Ankünfte oder Abfahrten. Die Kinder aber warteten nicht, sie träumten. Es war ihnen ein leichtes, jeden Morgen nur so zu tun, als ob sie erwachten. Man sah sie mit offenen Augen sich bewegen. Daß der Traum ein Gefährte der Nacht sei, dachte man sich, und ließ die Kinder kindisch sein, wenn sie nur nicht schliefen, wenn sie nur lebhaft erschienen, wenn sie nur taten, was man ihnen sagte, wenn sie nur keine Dummheiten ausheckten. Und obwohl die Kinder träumten, kam ein neuer Tag, an dem ihre eigenen Kinder dort spielten, wo nun Teermaschinen und Walzen die Erde erstickten. Nachdem die Bauarbeiter ihre Maschinen einfach abgestellt hatten und nach Hause gegangen waren, spielten die Kinder der Kinder, daß sie die Straßen planierten und den kochenden Teer verteilten. Auch sie träumten. Die Landmaschinen wurden zu Raumfahrzeugen. Wenn es regnete, dann roch es komisch. Es roch nach bitterer Hitze und ölige Tropfen rannen von den Stahldächern der Fahrzeuge. Die Arbeiter warteten in der Halle. Die Kinder warteten nicht, sie träumten. Und während sie träumten, zog ein neuer Tag herauf und ihre Kinder spielten am Straßenrand. Sie spielten, daß sie am Rand einer Straße spielten und sie jubelten den großen Kettenpanzern zu und jenen Männern, die im gleichen Schritt hintendrein kamen. Und sie spielten, daß sie Schokolade bekämen und daß sie vielleicht auch eines Tages schießen dürften.
Und eines Tages wurde Adam geboren.

Siebentes Tableau

   

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