IX. Blütenstaub
Nie habe ich meine Einsamkeit mit dir begründet, die du unerreichbar für mich bist. Das Ewig Weibliche schließt die Tür und öffnet sie wieder. Ich stehe davor, und dann trete ich ein, trete in dich. Dahinter ein Raum wie ein Theater. Gibt es etwas in dieser ruinösen Chronik des Lebens, das unausweichlich ist, dann ist es die Begegnung mit dir in jedem Dorf, in jeder Stadt, in jeder neuen Ewigkeit.
Ich möchte, daß du es bist, die mich weckt, bevor du selbst die Augen aufschlägst. Ich möchte dich mit dem Morgen begrüßen, der durch die Fenster hereinweht, ich möchte dein Morgen sein. Ich möchte der Wind sein, der dich berührt, wenn du um die Ecke biegst. Ich möchte für dich sein, in dir sein. Aber Skarabäen sind schlechte Reittiere.
Daß ich dich mit jeder schönen Blume vergleichen will, läßt mich auf den Frühling warten in bald angespannter Form, in der ich jedweden Sonnenstrahl bei seinem Erscheinen für dich grüße, hinauszueilen mir erlaube, in die unberührten Knosperien, deren wonnigem Schaustück ich bei ihrem Erwachen Gesellschaft leiste, so als kämest du zu mir. Wie dein Atem sammelt sich der Tau, dein Atem, der mich weckt aus jedem Schlaf, doch im Traume fest beläßt, im Traum von dir so nah, daß du schon zu berühren bist von meinen flitternden Händen – ich muß mich kaum viel strecken. Wie alles an dir süßem Honig gleicht, der noch in den Waben ruht, bewacht von herrschaftlichen Bienen, nur den für dich gelten läßt zu naschen, der dich berührt, ohne dich zu halten auf deiner Reise durch den Blütenstaub.