LV. Die im Erd aufgeweichten Inneren
Ich weiß nicht wer ich bin, ich weiß nicht, wer ich war, ich weiß nicht, wer ich irgendwann sein werde. Die wesentlichen Elemente meiner Erinnerung verschwimmen und ich ahne nicht, warum das Universum mit mir verwandt ist. Ich bin jeder einzelne Mensch gewesen, jede Pflanze, jedes Tier; ich werde jeder künftige Mensch sein, jedes Mineral in jedem Körper – und doch bin ich nie an einer anderen Stelle gewesen als in meinem Kopf. Da wohne ich, und wenn ich aus dem Fenster sehe, erblicke ich den Turm, der zwar ein Körper ist, aber auch der Turm, der fallen wird. Wie gelingt es, wieder einzutauchen in die Zeit, die man verlasen hat? Erklärungen stehen an den Wänden, zufälliges Gekritzel, Liebe, Beleidigungen, Telephonnummern, Fäkalphilosophie. Man sagt etwas laut an diesem Ort, er will nicht hören, antwortet nicht, man ritzt es in seine Stirn, seinen Bauch, man zeichnet für die Ewigkeit, die es nicht gibt, die es nicht gibt, die es gibt… Zeichen, auch Lufttraktate, zumindest vergänglich wie ich, wie die Zeit, die im Erd aufgeweichten Inneren.
Wie ein Nebelknecht irre ich durch die Welt, die in ihrer Hauptsache aus Vorhängen besteht, aus Tälern, salzige Scharten in den Jagdgründen der Blicke, liegengelassen, um darüber hinweg zu sehen.