LXII. Das Atelier der Madame F.
Hier kamen wir zusammen in diesem brausenden Atelier. Die Wärme waberte um die Hälse, die neugierig aus ihren Anzügen und Kleidern spähte. Gottsucher, Flüchtlinge und Künstler aus aller Welt reichten sich die Hände, umgingen sich und gestikulierten sich mit flüsternden Handstreichen hermetische Grüße zu, verabredeten sich nach dem Tod oder vor dem Leben. Madame F. hatte all die bocksköpfigen Fruchtbarkeitsgötter durch ihre Hände geboren, sie befingerte sie, massierte sie aus namenlosen Klumpen zu Lustgestalten heran, oder schlug sie aus lebendigem Fels, ganz wie sie selbst es wohl vorgaben. In ihr pochten dann die Membrane und alles Wasser schwang sich aus ihrem Meer, der kalte Stein in ihrem Universum, Muttermund, der kalte Kuß, der Sog der Kreatur am Schaffen wirkt um die Schafferin und zieht ihr sanft behütend das Höschen über die erschrockenen Wangen. Doch nur kurz, bevor der Rausch nicht mehr alleine ist und ihr die Gestalt folgt.
Die Hände (naß von der Aufregung) reiben, die Äderchen klopfen den Stein, den Ton, den Teig; sie sägen das Holz, den Sand, das Moos, die Augen formen Wonne, sehen nicht zu Sehendes, fahren die Konturen nach, das aufgerichtete Glied, das zu besitzen sie sich Madame sorgsam ausmodelliert, feilt, glättet, dann aufsitzt, gilvt, jauchzt, vergeht. Bockskopf, mußt es mir sagen, ich beseele dich mit meiner Glut. Ich erfriere innerlich, wenn ich deinen Steinphallos reite, allein ich kann keinem aufrechten Gang widerstehen.
Kerzen und Rauch wurden entzündet und erfüllten den Raum mit milchigem Dunst, die Schwaden aufwärts, der Nebel allwärts, Mondlicht durchs Fenster herein, in die Duftbänke hinein. Durch diese wehte Madame F. auf die Gäste zu, und wie es schien, durch sie hindurch wie ein Geist, der sich mit den Schwaden liaisonierte.
Neben mir entdeckte ich ein Holzgestell, auf dem die noch nicht ganz fertiggestelle Holzplastik eines Mannes mit Hörnern stand, samt Zwillingspaar, das in geschmeidigen und raubtierhaften Züge geschnitzt war. Es handelte sich um Panther-Frauen, wundersame Begleiterinnen, hinreckend zur Kraft des Gehörnten, das Toben der Energie in Strünken, oh Salz, oh Geweih, oh allerliebstes Fluid und Soma, heiler Äther. Aus dem Nebenraum erschien nun die Hierophantin, die sich als tartarische Adlige ausgab, und die kurz darauf wieder in einem Nebenraum verschwand, der mit glänzenden Tüchern abgeteilt war. Dorthin zog sie sich mit den jungen Damen zurück, um sie in den seltsamsten Liebesdingen zu beraten, den Geheimnissen des Vaginalmuskels, der tantrischen Vulva, dem Melken der Prostata und dem Yoga des Beischlafs, dem Ausstreifen der Energie aus dem Stab, der sich in den jungen Rachen ergießen wird, der Macht des Tanzes der Mitte der Unendlichkeit, dem allumfassende Beingriff, dem Drängen und Bezirzen.
„Alles Unglück ist über die Welt gekommen, weil man der Frau ihre Berufung als Priesterin geraubt hat.“
An diesem Abend wurde Glas um Glas kräuterversetzten Wodkas getrunken. Der Zigeuner Erich Zann funkelte mit den Augen und entlockte seiner Violine jene rasenden Töne, durch die der maßlose Georg Rasputin einst zu einer seiner zahllosen Liebesumarmungen, Prophezeiungen über die Reiche und Offenbarung seiner sagenhaften Heilkräfte gekommen ist. Von Zeit zu Zeit verbeugte sich Madame F. vor dem Gehörnten und flüsterte seinen Namen.
„Pan, Leschy, Tschernibog, Perkampus…“