Statt Nicht-Ich: Du
Mag man sich an einen Aspekt erinnern, der, als er noch unverschüttet unser Wesen ausmachte, aufstieg und sich nicht besänftigen ließ: die Heimlichkeit des eigenen unfaßbaren Rätsels. Man ist sich als Kind der höchste Philosoph, der mit den Dingen ringt, selbst diese Dinge wird, anstatt sie nur zu greifen und zu untersuchen, wie es die spätere angelernte Distanz fälschlicherweise eine objektive Herangehensweise nennt.
Die Menschheit – und wir scheinen viel mit ihr zu tun zu haben – wurde ernüchtert. Nur ich selbst bliebe betrunken, wie es die Götter allzeit gewesen.
Das Unglück ach so vieler liegt an der Unfähigkeit, sich zu verweigern. Stattdessen geben sie ihr Fleisch dem Reißwolf der Konvention. Aber das Ringelreihen im Hain, wo wir liegen könnten neben den Weinquellen, der Duft unseres Schweißes, der epikureische Garten – scheint mir nach allem, was ich bereits angeschaut, das einzige Ziel zu sein. Nur im Liebesspiel können sich die Momente konservieren, nur darin werden sie unvergänglich sein. Ich erkenne nirgendwo, daß man die Welt entzaubert hätte. Die Brunnen sind gefüllt wie auch die Tassen, die Herzen schwellen an von prallem Blut, ein Blick treibt alle Wolken aus dem Blau. Statt Nicht-Ich: Du.
Du nimmst Raum ein, dein Leib ist mir sinnlicher Gehalt. Kein anderes Mysterium, als über dich zu gleiten, kein anderer Wind als dein Atem, kein anderes Beben als dein Muskelspiel. Kein Zweifel, daß das Leben nur aus dir und mir besteht.