VI. Sebastiana
Wurde er nicht durch den Wunsch geboren, Zeuge ihres Tanzes zu sein? So jäh endete der Wurf der Phantasterei; niemand wird je im Stande sein, sie nachzubilden, niemand wird sich je daran erinnern.
Der Himmel zieht sich zusammen. Es wirkt als ob er brennt. Sebastiana ruft nach Adam. Es wird donnern. Es wird blitzen. Es wird regnen. Das Gras im Saft, die Welt im Wachstum, die Wolken abgerissen, herausgeschleudert aus dem Teig, der in der Erdschüssel gärt. Die Erde eine Schüssel, kein Kreis, keine Kugel, kein Ei. Man hört es schon. Ein mächtiger Gott trampelt die Stufen hinunter und schlägt die Türe zu, saugt seine Blasebalge randvoll mit photosynthetischen Abfällen, und atmet wieder aus. Wind zieht auf, die Blätter twisten, Äste schlagen sich, zürnen den Stämmen, Blumen verneigen sich, rot gelb, blau. Adam hört seinen Namen, durch den Muttermund formuliert. Vor elf Jahren, jetzt sein Name.
Sieh doch, Mutter – ein Gesicht!
Die Wolken malen, was sie wollen, du wirst naß, die Wäsche wird naß, komm rein und bring die Wäsche mit!
Als ob der Hammer auf die Bergkämme schlägt, ein Meister der Skulpturen. Doch wer hat dieses Bild in den Himmel gemalt? Wer hat dieses Antlitz je mit eigenen Augen gesehen, vom Feuerrot umzingelt wie die wunderliche Walküre, die dem Einen harrt. Der Wind bläst die Laken vom Gestänge, pfeift polyphon auf allen Flöten des Dorfes das Lied einer Begegnung. Die Mädchen holen Wäsche ein und decken Töpfe zu, die Gärten werden abgesperrt, die Läden schon geschlossen. Nur Adam gehörte allen oder keiner an, und schien fast allein mit dieser anmutigen Verwirrung. Er kann sich nicht lösen und sieht zum Himmel auf, erblickt dort seine Vergangenheit und ahnt etwas für seine Zukunft. Das Gesicht hat bestand, auch wenn alles andere flüchtet. Sebastiana bewegt stumm die Lippen. Die Wäsche wird naß und du wirst naß.