XVIII. Pfade der Unendlichkeit

Wieder in einer der Billionen Räume (es gibt in der Natur kein Quadrat, kein Rechteck, keinen Rhombus, rechtwinkliges Dreieck, Rad oder Würfel, schließlich nichts, was wir nicht gefunden sondern erfunden haben. Heute kenne ich die Sprache als einzige Realität), in denen es hieß: dies ist dein Raum, räume dich aus, sitze und erinnere dich der Höhle, nimm die Wäsche aus der Maschine, die dank Newton funktioniert. Die Klappe ließ sich nicht öffnen (und was hier χάος heißt, ist nichts weiter, als die Ungeduld), also brach ich sie mit einer Gabel auf und ein Wasserfall stürzte mir entgegen, mit Tensiden angereichert. Wieder Wasser. Träger der Energie. Ich legte mich auf den Rücken in das Naß und breitete die Arme aus. Immer noch lief Blut aus meiner Nase.
L’amour gout. Sie ähnelt einem Gemälde von Caracci, auf dem alles, selbst die Schatten, in rosigen Farben gehalten werden. Nichts Unvorhergesehenes geschieht, und wenn man dieser Liebe die Eitelkeit wegnimmt, bleibt nichts mehr übrig.
Ich erhob mich aus der Pfütze, die bereits das Badezimmer verlassen hatte, und füllte die Wanne. Ich stellte mir oft vor: die Welt der dunklen Fische, schwarzes Loch auf den Amuletten von Sumer, voluptuose Mutter.
Als das Wasser um mich herum schwappte, bemerkte ich, daß überall Zehennägel herumtrieben wie kleine Kähne. Ich versuchte sie zu zählen und schlief ein. Als ich erwachte, war das Wasser eiskalt, die Haut bloßes Zellgewebe. Draußen das Zwielicht.
Ich wandle zwischen zwei Welten und staune an das Leben um mich herum. Mein Verstand versucht zu schlichten, aber die Intuition schlägt, diesmal schneller, eine Zusammenarbeit vor. Ich gehe nicht – ich schreite auf den Pfaden der Unendlichkeit, während ich längst nicht mehr schaue sondern sehe. Das Unfaßbare geschieht, als würde ich verrückt.
Der zentrale Lichtpunkt, die schöpferische Kraft, ein Augenblick der Ewigkeit – ein immerwährender Prozeß, der keinen Anfang und kein Ende hat. Der Traum legt sich auf die Hand wie ein Coccinellidae, doch auf welche Hand? Der Traum ist die Hand selbst, während sie träumt. Da ist nur eine Sünde, und das ist die Ursünde der Unschuld. Was liebt, ist jeder Verfehlung frei, und was sich im Überschwang darbietet, fließt ein in das große orgiastische Meer, das ewig weitertreibt, da nichts an ihm ist Zeit.


Zweites Tableau

<<< zurück     weiter >>>