XXIX. Was immer dort bei den Hammermühlen
Was immer dort bei den Hammermühlen auf mich wartete, bediente sich dieser Spannung einer Schnittstelle zwischen Traum und scheinbarer Realität (Denken und Träumen sind identisch). Das Aneinanderreiben dieser beiden Welten verursacht nichts Geringeres als eine besondere Version von Elektrizität, verursacht jenen identischen Ton, der von den großen Stromumschlagplätzen ausgeht.
Der Schlaf ist eine Tür, der in diese Welt führt, und niemand benötigt für den Wechsel seinen Körper, weil man dort drüben einen anderen bekommt. Es ist wie auf einem Opernball, man streift sein Kostüm über, und sobald man erwacht, hängt man es wieder an einen Haken neben dem Ausgang. Dies ist die Tür, die wir alle am Häufigsten verwenden, aber es gibt noch wesentlich mehr Zugänge, man kann überall auf sie treffen. Zu erkennen geben sie sich nicht immer, aber wenn man sich sehr nahe an einer Schnittstelle befindet, die man hören kann, wird man auch Bilder, Spiegel, Schränke oder Höhlen finden, die sich für einen Wechsel in den Traum anbieten, regelrecht aufdrängen.
Was aber hatte Rodriguez wirklich darüber gewußt? Die Liebe ist ein Raubtier. Die Liebe ist der Wolf aus Erz. Das stimmte nicht. Rodriguez wußte nichts über den Wolf, der sich den Kindern zeigte, wenn jemand starb. Ein steinerner Cerberus und Lemur, Hundstier der Manen; Rodriguez wußte nichts von dem Gesicht in den Wolken. Er wußte andere, furchtbare Dinge, denn er hatte sie gesehen, herausgefunden, wie er sagte. Dann war er verschwunden, es war Herbst. Seine Befürchtungen hatten sich erfüllt, seine Angst war manifest geworden. Was wäre gewesen, wenn er nicht in dieser Nacht beschlossen hätte, sich zu mir zu flüchten? Wie lange hätte ich ohne Rodriguez gebraucht, aus meiner Lethargie hervor zu schleichen wie ein Bär nach praktiziertem Winterschlaf? Nein, ich hätte Rodriguez nicht gebraucht, mein Problem war Babylon.
Ja, dein Problem ist Babylon und dieses Zimmer. Das wirst du gleich herausfinden, mein Freund. Ein Romantiker bist du, nicht wahr? Da hast du deine Romantik, wir beginnen gleich hier, in Zimmer 16.
In dem mir nicht einmal das Bett gehörte. Ich, hier, auf der Suche, nicht auf der Flucht.
Schließt das eine das andere wirklich aus? Man flüchtet vor dem Unaussprechlichen (die Welt muß ausgesprochen werden können), und sucht nach einem Ausweg. Bestimmt der Schmerz die Diagnose?