XXVI. Der Wind des Eventuellen

Ich kann mit meinem Körper eine ungeheure Hitze erzeugen. Sie geht über die einhundert Watt Wärmeleistung eines gewöhnlichen Menschen hinaus. Manchmal habe ich Feuer im Stift, selten ein Lächeln. Wenn die Inspiration kommt, wird man halb wahnsinnig. Die Außenwelt verschwimmt förmlich. Sie beginnt unmittelbar, ähnlich wie ein Schmerz aus heiterem Himmel, überfallartig, alle nach außen gerichteten Sinne sind taub und schließen sich, während aus den tiefsten Regionen etwas anderes nach oben strebt. Man kann es spüren, es pocht und drängt wie überhitztes Blut nun einmal drängt. Man denkt nicht mehr, man darf nicht denkend eingreifen, man muß dem Wind des Eventuellen nachspüren. Ich weiß nicht zu sagen, was mit der Welt geschieht, alles, an das ich im Laufe der Zeit gewöhnt wurde, verschwimmt – und an die Worte erinnert man sich längst nicht mehr: „Es gibt…“, „Es ist…“
Ich gehöre nicht mehr zu den Menschen und ihren tausend Gesellschaftsformen, ich bin weit draußen und stehe auf einem dunklen Wasser. Keine Ahnung warum ich auf diesem Wasser stehen kann. Keine Ahnung, warum es mich nicht nach unten zieht. Dennoch ahne ich, daß es unweigerlich geschehen wird – ich werde blitzartig verschwunden sein in einem Element der Nacht. Ich bin nicht auf der Welt. Mit der Hälfte meiner Gedärme hänge ich noch am Eidotter fest.

Adam ist schon immer allein gewesen, meist in halb eingerichteten Zimmern, die ihm nur auf bestimmte Zeit gehören sollten. Ist da noch jemand, der sich mit ihm einsam fühlt und Furcht nicht kennt, weil er um den anderen weiß, ihn träumt oder wünscht? Auf einem anderen Kontinent, in einer anderen Zeit?


Drittes Tableau

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